Händels Messias niveauvoll realisiert

Tonal versierte Instrumentalisten, überzeugende Solisten und ein versierter Chor: Die Aufführung von Händels »Messias« in der Stadtpfarrkirche war ein sehr ansprechendes Hörerlebnis für Musikliebhaber.

Von Gunter Thiel

Oberkirch. Den gesamten »Messias« von Händel präsentierten Solisten, Kammerchor Oberkirch und die Streicher, Bläser und Pauken vom »collegium musicum« Stuttgart in der katholischen Stadtpfarrkirche von Oberkirch. Bei diesem populären Oratorium gilt es, neben den zahlreichen Soloarien, viele schwierige Chorcoloraturen zu bewältigen, so dass eine wirkungsvolle Realisierung nur wenigen Vokalensembles vorbehalten ist.

Dirigent Carsten Schulz wählte die englische Version und damit die auch heute wieder bevorzugte relativ kleine Instrumentalbesetzung, wobei er mit den Stuttgartern offensichtlich richtig lag.

Die deutsche Sprache wirkt bei diesem Großwerk etwas schwerfälliger und eröffnet nicht ganz so viele Perspektiven für brillanten Schwung. Insgesamt wird man mit einem genialen Werk mit meisterlicher Kontrapunktik konfrontiert.

Als Solisten agierten Monika Biwald-Schulz (Sopran/Freiburg), Evelyn Lang (Alt/Baden-Baden), Daniel Sans (Tenor /Frankfurt) und Martin Baumeister (Bass/Freiburg), die offensichtlich aufgrund der gehörten Klangqualität über große Konzerterfahrung verfügen. Schon bei der Ouvertüre und dem folgenden Fugato-Allegro spürte man die tonale Versiertheit der Instrumentalisten, klangschön bereiteten sie die tröstenden Solo-Tenorpassagen vor.

Bereits hier zeichnete sich der durch das ganze Werk konsequent bevorzugte Interpretationsstil ab: Vitale Tempi sowie Dominanz des vokalen Elements dank optimal integriertem Instrumentalsound. Dirigent Schulz koordinierte versiert. Die folgenden Rezitative, Arien und Chöre, bei denen sich Martin Baumeister mit seiner enorm tragfähigen Stimme auszeichnete, Altistin Evelyn Lang durch angenehmen Wohlklang gefiel, Sopranistin Monika Biwald-Schulz mit geschmeidig und durchsetzungsfähigem Timbre ihren »Engelspart« gestaltete und der Kammerchor mit spielerischer Eleganz prächtigen Tuttivokalklang präsentierte.

Populäres »Halleluja«

Die schmerzhaften Elemente des zweiten Teils kontrastierten in der differenzierten Gestaltung gut zum strahlenden abschließenden, überaus populären »Halleluja«, das aufgrund der leichtfüßigen Vitalität beispielhaft frisch wirkte. Auch die Soloparts lagen beim bewährten Solo-Quartett in den besten Händen.

Im dritten Teil erwachsen aus Dankesgefühlen Visionen in Richtung majestätischer Herrlichkeit. Entsprechend würdevoll kamen die Arien und Chorsätze. Die Sopranpartie »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt« vermittelte aufgrund differenzierter tonaler Ausreizung den ersehnten Trost, und die »Posaunen-Arie« lag bei Martin Baumeister dank souveräner Kolorierung und kraftvoller Stimme in besten Händen. Meisterlich und mitreißend kamen dann die wirkungsvollen Abschlusschöre. Trotz Überakustik des großen, recht gut besetzten Kirchenraums gelang auch in Richtung Polyphonie eine überzeugende Interpretation. Das ganze Konzert hindurch gefielen die sehr schön zeichnenden Instrumente, wobei es nicht am geforderten Trompetenglanz fehlte. »Standing Ovations« gab’s für eine begeisternd niveauvolle »Messias«-Realisierung!

ARZ 07.05.01